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  • gerti97

WAS TUN FÜR DEN ZUSTAND UNSERER WELT? EINE INDIGENE PERSPEKTIVE

Aktualisiert: 23. März




Auf meinem Weg zu einer Beerdigung tief im östlichen Bayern wollte ich eigentlich eine Bundesstrasse nehmen, die sich gemütlich dahin windet. Stattdessen verpasste ich die Ausfahrt und landete auf der A3 Würzburg, Richtung Nürnberg, einer Strecke die ständig verstopft und mit Baustellen übersät ist.


Es dauerte nicht lange, bis sich die Risse in der Struktur der Erde deutlich zeigten: riesige Haufen von Dreck zum Bau neuer Trassen taten tiefe Schluchten an anderen Stellen auf - Wunden, die der Landschaft mit gigantischen Kränen und Baggern achtlos zugefügt wurden, alles im Namen des Fortschritts und unserer Sucht nach Geschwindigkeit.


Ich hielt eine Hand hoch und liess heilende Energie in den aufgerissenen Boden fliessen - Heimat von Insekten und Echsen, Wasseradern und Pflanzen, die allesamt abgetötet oder in die Flucht getrieben wurden.


Beim Anblick eines Steinhaufens, aufgeschichtet aus enormen Blöcken von Granit und Sandstein, kamen mir die Tränen. Was tun wir unserem Heimatplaneten tagtäglich an? Was tun, wenn man von Schuldgefühlen geplagt und Hilflosigkeit überwältigt wird?


Viele Indigene glauben dass der Point of No Return schon überschritten ist. Dass Mutter Erde das Ruder übernommen hat und über kurz oder lang das Gleichgewicht wieder herstellen wird.

Andere rufen auf, uns zu einer Reihe von Achtsamkeitprinzipien zu verpflichten, egal wie es weitergehen wird. Wenn die Erde krank ist und unter den immer schwerer werdenden Bürden leidet, dann ist erst recht Sorgfalt geboten. Würden wir einen kranken Menschen abschreiben und ihre Bedürfnisse ignorieren wenn es ihr schlecht geht?


Viele von uns sind ratlos was man als Einzelperson ausrichten kann. Viele versinken in Angst und Schuld und wissen nicht wie man sich davon befreien kann.


Während meiner Zeit in den USA hatte ich das Privileg die indigene Weise Sherri Mitchell kennenlernen zu dürfen. Ihr Stammesname ist Weh'na Ha'mu Kwasset - Die das Licht bringt. Sie strahlt Entschlossenheit und gleichzeitig Mitgefühl aus. Sie wendet sich nicht gegen uns Weisse, die Erben der Kolonisten, und weiss dass wir nur gemeinsam etwas ausrichten können.

In ihrem Buch “Aktivismus heißt Verbindung: Indigene Weisungen zur Heilung der Welt” teilt sie uns ihre Formel mit, wie wir unsere Energien aufteilen können: 80 Prozent unserer Kraft sollten in die Schaffung einer neuen Welt fliessen, die wieder mit den Prinzipien der Natur in Einklang stehen.


Mein Vorschlag sieht ähnlich aus: wir sollten zehn Prozent unserer Energien in die Trauer investieren, der es bedarf um die Verluste und Zerstörung unserer irdischen Mitbewohner - Tiere, Berge, Flüsse - anzuerkennen, und diese Earth Beings um ihre Verzeihung zu bitten. Weitere zehn Prozent können dahin fliessen jene Entwicklungen einzudämmen, die weiterhin Schaden anrichten.

80 Prozent unserer Energie muss dahin fliessen, eine neue Welt zu kreieren, die die Existenz und Weisheit nicht-menschlicher Naturwesen wieder in den Vordergrund stellt.


Ich bin davon überzeugt dass die Erde ihren eigenen Spirit, ihre eigene Intelligenz hat. Dass sie aus irgendeinem Grund zugestimmt hat uns Menschen grossen Einfluss über sie zu geben. Und dass sie sich entschieden hat uns diesen wieder zu entziehen. Sie befindet sich in einem Zerstörungsprozess, der alles was uns aus dem Gleichgewicht bringt wieder zurück in Balance bringt.


Viele Menschen haben vergessen, dass damit gleichzeitig immer ein anderer Prozess angestoßen wird: wenn etwas endet stehen die Kräfte neuer Kreationen bereits in den Startlöchern. Schon jetzt entstehen neue Spezies, schon jetzt passen die alten sich neuen klimatischen Bedingungen an.

Wir können an diesem Kreationsprozess aktiv beteiligt sein.


Eine indigene Weisheit heisst: erst kommt die Trauer, dann kommt die Freude. Wenn wir uns darauf einlassen können zu akzeptieren, dass so vieles dass uns lieb geworden ist zu Ende geht und dies auch betrauern dürfen, dann können wir uns von Angst und Schuldgefühlen befreien.

Der Raum, der dadurch in uns frei wird ermöglicht es uns wieder neue Freude zu empfinden darüber was wir tun können um die Kreation einer neue Erde zu unterstützen.


Die Erde und die Anders-Wesen wollen nicht dass wir uns schuldig fühlen. Sie wollen dass wir gemeinsam mit ihnen einen neuen Weg beschreiten.


Ich selbst möchte in zwei Schritten dazu betragen: indem wir einen Raum schaffen, wo es uns erlaubt ist zu trauern und uns der Last unserer Gefühle zu entledigen.


Und indem ich Menschen dazu ermutige wieder in eine tiefe Beziehung zur Natur zu treten. Die Natur macht uns auf Dinge in unserem Leben aufmerksam, die uns helfen unserem Leben eine neue Tiefe zu geben. Sie steht uns dabei mit Rat und Tat zur Seite.


Dabei geht es nicht um das kognitive Lernen von Pflanzennamen oder Tieren, sondern um das Erspüren jenes intuitiven Wissens, das schon immer in uns geschlummert hat und das wir neu entdecken wollen.


Mehr Infos zu beiden Initiativen gibt es hier:


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