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  • gerti97

Den Frühling herbeizaubern

Aktualisiert: 13. März




Der erste Vogel den ich bemerkt habe, seitdem ich vor einem Jahr in Deutschland angekommen bin, war die Amsel: ein leicht bemerkbarer schwarzer Vogel mit gelbem Schnabel, den man an seinem lieblichen Morgengesang erkennen kann.


Ich war zu gestresst und abgelenkt um ihn wirklich wahrzunehmen, aber als er letztes Jahr an einem kalten Februarmorgen vor meinen Badezimmerfenster sein Lied anstimmte hielt ich inne und hörte ihm zu.


Seit dieser kurzen Begegnung bin ich von dem Hof wo wir beide leben weg gewandert, hinaus aufs Feld um andere Vögel zu beobachten. Während meine Aufmerksamkeit anderswo weilte war die Amsel noch immer da. Er legte sich eine Freundin zu und zog eine Brut Jungvögel gross, und war dabei immer auf der Hut vor den Katzen, die unten am Boden auf ihn lauerten.


Vor ein paar Wochen erinnerte ich mich an ihn als ich seinen Frühjahrsgesang erneut vor meinem Fenster vernahm.


Ich war seit einiger Zeit auf der Suche nach einem einzelnen Vogel, den ich individuell über seine Art hinaus erkennen kann, was draussen auf dem Feld extrem schwer zu bewerkstelligen ist. Im Hof dagegen gibt es zur Zeit genau eine einzige Amsel, und die hat seit einem Jahr beobachtet wie ich im Haus ein- und ausgehe.


Die indigenen Buschmänner der Kalahari sehen die Welt als ein niemals endendes Netzwerk von Verbindungen. Wenn man ein Stück Land mit anderen Wesen teilt - Tieren, Pflanzen, Gewässern - dann baut man Verbindungen zu ihnen auf. Sobald man sich dessen bewusst wird entsteht eine dünne energetische Linie zu diesen Wesen.


Sobald man wirklich erkennt, dass man ein Teil dieses Netzwerks ist und nicht nur ein Beobachter, dann ist die Verbindung hergestellt. Man nimmt an der Konversation teil. Sobald man dann noch einzelne Wesen identifizieren kann dann knüpft man ein Seil, eine solide Verbindung. Und diese Seile geben uns Energie, die von allen Seiten auf uns einströmt.


Heute morgen, bevor die Sonne aufging, sass ich mit der Amsel im Hof. Ich hörte den Melodien zu, die sie mit einer anderen Amsel weiter weg austauschte. Ich dachte über Vogelgesänge nach und wurde mir der verschiedenen Intonationen bewusst. Ich versuchte sie zu fotografieren, doch sie wich aus.


Ich fing an zu verstehen dass ein Vogel nicht nur singt um eine Partnerin anzuziehen oder um sein Revier zu verteidigen. Er singt um Leben und Freude in allen Wesen hervorzurufen. Vögel singen, um die Blätter an den Bäumen zum Ausschlagen zu bringen und die Samen unter der Erden zum Keimen. Sie singen um die Blüten zu begrüssen, die sich am Morgen öffnen und die Tautropfen auf der Wiese, und die Menschen die Dankbarkeit dafür ausdrücken.


Sie singen um eine Verbindung zu allen herzustellen denen daran gelegen ist. Sie sind die Zauberer der Frühlingssaison.


Sobald sich dieser Gedanke in meinem Kopf formte hörte ich die Amsel zu mir sagen: Jetzt kapierst du es. Ich wusste, dass ich all diese Einsichten nicht allein gewonnen hatte. Ich erhielt diese Weisheit von dem Vogel. Oder vielleicht haben wir sie auch gemeinsam kreiert.


Die Kommunikation fliesst immer von beiden Richtungen. Sobald ich das begriffen in meinem Herzen hatte, und nicht nur rational, hatte ich ein Seil. Die Amsel holte mich mit ihrem energetischen Seil ein.


Alles beruht auf Gegenseitigkeit.


Wenn ich morgens aus dem Haus gehe und ich “absichtlich” den Walnussbaum im Hof bemerke, dann war es wahrscheinlich der Baum der zuerst auf sich aufmerksam machen wollte. Wenn ich Pilze im Wald suche und der allerliebste Fliegenpilz vor mir auftaucht, dann entschied er sich dazu mir einen Wink zu geben. Wenn ich aus meinem Fenster die Wolken vorbeiziehen sehe dann schicken sie mir einen Gruss.


Alles will mit uns in Verbindung treten.


Deshalb ist es auch so schmerzlich wenn wir nach anderen die Hand ausstrecken und es kommt keine Antwort. Oder keine die man erkennen kann.


Wir sind dazu gemacht um mit allem, mit unserer ganzen Umgebung, immer in Verbindung zu bleiben.



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