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  • gerti97

Die Botschaft aus den Flammen

Die Temperaturen sind unter Null gesunken, und an meinem Sit spot zu verweilen ist zu einer kühlen Angelegenheit geworden. Ich wandere nun mehr als dass ich sitze und halte auf meinen Streifzügen Ausschau nach den Vögeln, die sich auf den Feldern in Schwärmen nach Futter und Wasser umsehen.


Wer im Rahmen einer Wildnisschule angeleitet wird einen sit spot kennenzulernen, dem wird von Anfang an gesagt ein Feuer dort zu machen, egal bei welchem Wetter. Also habe ich mir eine kleine tragbare Feuerschale von (fuck it) Amazon gekauft.


Die frühen Menschen glaubten, dass wir die Sonne entzünden wenn wir ein Feuer machen. Wenn ein Feuer mit einer geheiligten Absicht entfacht wird, dann laden wir die Ahnen ein uns beizuwohnen. Sie leben in der Erde, die aus den kompostierten Körpern der Toten besteht. Die Bäume nähren ihre Äste von ihnen und diese werden in das Feuer gegeben. Durch das Feuer werden die spirits der Toten frei gegeben. Wenn wir um so ein Feuer herumsitzen, dann kommen unsere Ahnen mit dazu, bezeugen unsere Geschichten, lauschen uns, und spenden uns Trost.


Erfahrene fire keepers, die durch indigene Traditionen gelernt haben mit dem spirit des Feuers in Kontakt zu treten, erzählen dass das Feuer oft Rauch produziert, wenn die Menschen etwas zu betrauern haben. Sobald die Trauer gelöst ist kehrt die Hitze und Vitalität des Feuers zurück.


Jon Young, der seit Jahrzehnten Wildniserfahrungen lehrt, erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich weigerte an den Aktivitäten der Gruppe teilzunehmen. Das einzige was er machen wollte war sich um das Feuer zu kümmern, jeden Tag, Stunden lang. Das ging über Monate hinweg so. Am Ende kam er geläutert aus der Erfahrung heraus, seine Wunden die er davor erfahren hatte, waren geheilt.

Anthropologen haben herausgefunden, dass die Mitglieder der Ju/’Hoansi-San, ein Stamm von Jägern und Sammlern im südlichen Afrika, sich zu jeder Zeit um das Feuer versammeln. Während des Tages geht es im Gespräch oft um andere. Es ist eine Art von sozialem Verarbeiten, wo Beobachtungen über andere weitergegeben und bewertet werden.


Abends versammeln sich dann alle um das Feuer um Geschichten zu erzählen, sich an entfernte Verwandte zu erinnern und Parabeln zu diskutieren. Niemand wird beschuldigt dafür was sie gesagt oder getan haben, sondern gewisse Lehren werden auf eine indirekte Art und Weise weitergegeben ohne jemanden zu beschämen. Alle wissen, dass dies den Selbstwert einer Person zerstören kann und es wird um jeden Preis vermieden.


Wenn es Konflikte gibt initiieren die Elders, die Ältesten des Stammes, einen sogenannten Trance Dance - eine Art Ritual wo alle eingeladen sind zu tanzen und zu singen, wodurch die negative Energie sprichwörtlich aus dem Körper geschüttelt wird.


Dieser Tage ist das Schütteln auch mein täglicher Begleiter, allerdings hat es mit dem Temperaturen zu tun. Ich bin dankbar für die Wärme des Feuers und der Sonne, das mich am Leben erhält.




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